Sonntag, Dezember 17, 2017


Chronik FSC 50 Jahre

1946 - 1956

Fußball in Frohnau?
Das  soll  es  zukünftig  in  der  vornehmen  Gartenregion  geben?  An  einem  Ort,  wo  die  Sportarten Reiten, Polo und Tennis Priorität haben? - Es ist einfach undenkbar! Das Vorhaben, den ledernen Ball rollen zu lassen, wurde heftig diskutiert. Mit müdem Lächeln begleitete Kommentare machten unter den  Skeptikern  die  Runde.  Doch  ein  kleiner  Kreis  von  Fußballbesessenen  verfolgte  mit  Optimismus seinen Plan. Die Sportgruppe Frohnau wurde aus der Taufe gehoben.
So ergab es sich, daß an einem der zahlreichen Frohnauer Bäume ein Plakat befestigt war, auf dem ein Fußballspiel zwischen den Mannschaften von Frohnau und Hermsdorf im Sommer 1946 auf dem Sportplatz am Poloplatz angekündigt wurde. Es  war  ein  herrlicher  Sonnentag,  an  dem  die  ersten  Kicker  aus  Frohnau  sich  dem  Gegner stellten.  Jung  und  alt  gemischt  präsentierte  sich  die  Frohnauer  Elf,  bei  der  auch  eine  gewisse Mischung  in  der  Kleidung  nicht  zu  übersehen  war.  Jedoch  war  ein  Übergewicht  der  Farben schwarz und weiß zu vernehmen.
Endlich wurde angepfiffen. Schon nach kurzer Spieldauer war zu sehen, wo die Möglichkeiten der einzelnen Kicker lagen. Die Elf war mit einigen guten Spielern besetzt, weniger Talentierte waren aber sehr bemüht, Fehler zu vermeiden. Generell war es ein ansehnliches Spiel, das mit einem 3:2 Sieg der Frohnauer  endete.  Den  1.  Sieg  feierten:  Dendorfer  Matull,  Reck,  Hähnel,  We.  Schulz,  Gepke, Weiberg, Kokert, Wenske, Beister Ganzer Torschützen: Beister Wenske und Weiberg.
Es  wurde  eifrig  weiter  gekickt.  Im  Verlauf  der  nächsten  Wochen  waren  Fußballer  aus  den nördlichen  Vororten der damaligen  Ostzone  interessiert,  einen Platz  in der Frohnauer  Mannschaft  zu finden.  Auch  Kicker  aus  Wedding  und  Reinickendorf  wollten  ihr  Können  in  Frohnau  beweisen.  Der Leistungsstandard  verbesserte  sich  kontinuierlich.  Erfreulich  anzusehen  war  nun  auch  die einheitliche Spielkleidung. Kanadische Weizenmehlsäcke waren zur Herstellung der Jerseys dienlich, Hosen  wurden  genäht  und  Stutzen  gestrickt.  Mit  Zuversicht  gerüstet  konnte  man  in  die  erste Meisterschaftsrunde 1946/47 (2. Klasse) einsteigen.
Infolge  der  Zugänge  aus  allen  Himmelsrichtungen  konnte  auch  eine  Rerservemannschaft gebildet  werden.  Hierbei  leistete  Karl  Netzband,  ein  Urberliner  mit  Herz  und  Schnauze, hervorragende  Arbeit.  Er  rannte  sich  wortwörtlich  die  Hacken  für  seine  Jungs  ab.  Die Meisterschaftsrunde  der  1.  Mannschaft  nahm  einen  guten  Verlauf.  Immerhin  war  die  Bilanz  mit 30:14 Punkten und 81:37 Toren positiv. Meister wurde Rehberge.
Im  Rahmen  der  Saison  1946/47  wurde  von  den  Frohnauern das  1.  Pfingstturnier  am Poloplatz veranstaltet, zu dem die in der 1. Liga spielenden Britzer neben Hermsdorf und Pankow-Süd eingeladen waren. Vor vielen Zuschauern, unter denen auch frühere Miesmacher und Spötter zu erkennen waren, zeigten die Frohnauer eine sehr gute Leistung. Am Ende hatten die Frohnauer ihren ersten Pokal eingefahren.
Die Punktspiele für die Saison 1947/48 standen vor der Tür. Aus den vielen Spielern, die zur Auswahl standen, hatte sich im Verlauf der vorhergegangenen Spiele eine Stammelf gebildet.  Die  Vorstandsmitglieder  Heinz  Gepke,  Willi  Schulz,  Willi  Künzel  u.a.  bemühten  sich,  einen geeigneten Trainer zu finden, der die Mannschaften fördern sollte. Es kam jemand, der nicht nur in Berlin einen guten Namen hatte. Es war Willi Kirsey, der als „Halblinker" mit Hertha BSC 1930 und 1931 Deutscher  Meister  wurde.  Er  hatte  sofort  die  Sympathien  aller  Spieler.  Er  verstand  es,  Mängel abzustellen,  und  erkannte  die  spielerischen  Möglichkeiten  aller  Aktiven.  Willi  Kirsey  formte  eine Mannschaft, die ihrem Lehrer große Freude bereitete.
Nach dem Startschuß zur Saison 1947/48 wurde kräftig weiter geschossen. Von 16 Spielen wurden 14 gewonnen. Nur zweimal hatten die Frohnauer Ladehemmung. Am Ende waren die Kirsey-Schützlinge Meister der Serie mit 28:4 Punkten und 81:31 Toren.


Aufgestiegen waren folgende Spieler:
Siegfried  Kalcher,  Horst  Matull,  Werner  Schulz,  Erwin  Grande,  Walter  Büttner,  Hans Mittelstädt, Hermann Weiberg, Manfred Jonas, Günther Mechelke, Erich Jasmund, Fritz Ihrun, Aeed Wutschke, Heinz Klaue und Casnova.


Ein Wermutstropfen fiel in den Freudenbecher der Frohnauer. Trainer Kirsey bekam vom BSV 92 ein Angebot.  Er  war  auch  dort  erfolgreich  und  führte  die  Wilmersdorfer  zur  Meisterschaft.  Ein  neuer Trainer,  der  das  Erbe  antreten  sollte,  blieb  vorerst  außer  Sicht.  Trotzdem  traten  die  Nordberliner frohgestimmt ihre erste Reise an. Es ging in den Süden - nicht nach Italien, nee - nach Sachsen! Einer Einladung aus Herzberg folgend, starteten die Frohnauer in einem von Rost und  Beulen  geschmückten  busähnlichen  Gebilde,  das  sich  über  die  vom  Krieg  gezeichneten Ostzonenstraßen  schlängelte.  Außen  dampfte  der  Motor,  im  Innern  des  Vehikels  schallte  die Hymne  der  Kicker:  „Schwarz-Weißes  Frohnau".  Man  feierte  mit  den  Gastgebern  in feuchtfröhlicher Runde und betrachtete das für den kommenden Tag angesetzte Spiel als Beilage. Die Beilage wurde in Form eines 2:1 - Sieges der Sachsen serviert. Nach diesem Abstecher begann der Ernst; denn es war wichtig, sich für die neuzubildene Amateurliga zu qualifizieren. Nur durch einen Platz im Vorderfeld der Abschlußtabelle konnte dieses Ziel erreicht werden.
Für die „Schwarz-Weißen", die sich jetzt Frohnauer-Athletik-Club nannten, begann die Saison gleich mit mehreren Paukenschlägen. Bei einem Punktestand von 1:9 waren die Aussichten,  das  Ziel Amateurliga zu erreichen, tief gesunken. Doch die Kicker gaben nicht auf. Sie zeigten den Nörglern, daß sie das Fußballspielen nicht verlernt hatten. Sie siegten wieder und sammelten die Punkte, die sie für den Aufstieg in die Amateurliga benötigten.
Parallel  zu  den  Punktspielen  wurden  die  RIAS-Pokalspiele  ausgetragen.  Der  FAC  zog  nach Siegen  gegen  Weißensee  (4:0)  und  gegen  BFC  Rehberge  (2:1)  in  das  Semifinale  ein.  In  einem unvergeßlichen  Spiel  standen  die  Frohnauer  dem  Berliner  Meister  BSV  92  gegenüber.  Vor  15.000 Zuschauern  (!)  auf  dem  Hertha  BSC-Platz  an  der  „Plumpe"  zeigten  die  „Schwarz-Weißen"  eine hervorragende Leistung. Unbeeindruckt von der Zuschauermenge war der Außenseiter in der Lage
dem Favoriten Paroli zu bieten. Beim Halbzeitpfiff stand es durch ein Tor von Leuow 1:0 für den FAC. Im  2.  Spielabschnitt  stellten  sich  die  konditionellen  und  technischen  Vorteile  der  Halbprofis heraus. Der BSV 92 gewann am Ende verdient mit 3: l.
Den  turbulenten  Wochen  sollte  eine  Zeit der  Ruhe  und  Entspannung  folgen.  Doch  die Erfolge  der  1.  Mannschaft  waren  nicht  nur  positiv  zu  bewerten.  Im  Umfeld  der  Fußballer versuchten  Besserwisser  und  Intriganten  einen  Keil  in  die  Vereinsführung  zu  treiben.  Sie,  meist Fußballunkundige, konnten einen Teilsieg verbuchen. Eine kleine Wolkenschicht zog am Frohnauer Himmel auf, doch das Gewitter blieb aus. Eine  Reihe  von  Frohnauer  Geschäftsleuten  fühlte  sich  berufen,  die  Geschicke  der Fußballabteilung zu übernehmen. Unter Vorsitz von Herrn Heyse wurde ein so genanntes Gremium gegründet, das ein neues Konzept entwickeln sollte. Zuerst wurde die hochgespannte Bezeichnung „Athletik-Club"  in  „Sport-Club"  umgewandelt.  Sehr  wichtig  war  die  Verpflichtung  eines  neuen Trainers, der den FSC in die Vertragsliga führen sollte. Infolge der guten Leistungen verschafften sich die Frohnauer Kicker einen guten Namen im Berliner Fußball. Einen noch besseren Namen hatte Rudi Wilhelm, der neuer Trainer der Frohnauer wurde. Der „Neue" war wieder ein „Alter" aus der ehemaligen Mannschaft von Hertha BSC. Er brachte einen sehr guten Kicker mit, der sich als Georg Kube vorstellte.
Ein  unangenehmes  Ereignis  wurde  zum  Nachteil  für  die  Frohnauer.  Der  Sportplatz  wurde „restauriert".  Es  wurde  metertief  gebuddelt  -  alter  Unterboden  raus  -  dräniert  -  Muttererde aufgetragen  -  gesät.  Alle  Heimspiele  der  kommenden  Saison  mussten  auf  auswärtigen  Plätzen ausgetragen werden.
In  Frohnau  hatten  die  Stammpessimisten  nach  den  letzten  Misserfolgen  der  Kicker  wieder Oberwasser.  Doch  die  Aktiven  beendeten  ihre  Unterwasserspiele  und  tauchten  schnell  auf.  Aus  den nächsten Spielen konnten 17:7 Punkte notiert werden.

Der  Kampf  um  die  Tabellenspitze  spitzte  sich  zu,  so  daß  die  Entscheidung  im  letzten  Spiel beider Kandidaten um den Aufstieg zur Vertragsliga fallen mußte. Dabei unterlag Minerva 93 bei der Wilhelmsruher Concordia. Gleichzeitig mußten die Frohnauer auf dem Argusplatz in Reinickendorf gegen den SC Westend antreten. Sie benötigten einen winzigen Punkt, um ihren Traum erfüllen zu können. Es kam zu einem dramatischen Abschluß. Ein Spieler der Frohnauer machte einen für den Spielausgang  entscheidenen  Fehler.  Es  war  nicht  zu  beweisen,  ob  Absicht  vorlag,  aber  vermutet wurde allseitig, daß Bestechung im Spiele war. Durch diesen skandalösen Vorgang ging das Spiel 2:3 verloren.  Der  Aufstieg  scheiterte  am  Fehlen  eines  winzigen  Punktes.  Die  Mitspieler  des  Übeltäters fühlten sich betrogen!
Im August 1950 hatte der FSC eine zweite Chance, doch noch den Aufstieg zur Vertragsliga zu schaffen. Sechs Mannschaften der Amateurliga bestritten eine Qualifikationsrunde. Vor einer großen Zuschauerkulisse  auf  dem  Hertha  BSC  Platz  besiegten  die  „Schwarz-Weißen"  die  Herthaner  aus Zehlendorf  3:2.  Im  zweiten  Spiel  hatte  der  FSC  im  Poststadion  gegen  Hakoah  1:2  verloren.  Zwei weitere  Niederlagen,  gegen  VFL  Nord  (0:2)  und  gegen  Blau-Weiß  90  (0:3),  zerstörten  alle Hoffnungen. Das abschließende Spiel gegen Westend (4:4) war nur noch Makulatur. Die  „Schwarz-Weißen"  blickten  trotz  aller  Enttäuschungen  voller  Hoffnung  auf  einen erfolgreichen Abschluß der Saison 1950/51. Die Voraussetzungen waren vielversprechend. Eine auf allen  Posten  gutbesetzte  Mannschaft  konnte  gestellt  werden.  Der  Sportplatz  präsentierte  sich  nach den  vollendeten  Arbeiten  in  einem  ausgezeichneten Zustand.  Die  Rasenfläche  war  eine Augenweide. Nach Aussage von Sachkundigen zählte die Anlage zu einer der schönsten in Berlin. Es sprach nichts dagegen dieses Schmuckstück „Stadion Frohnau" zu nennen.
Auf  dem  Teppich  sollten  nach  Vorstellungen  des  Vorstandes  nun  auch  neue  Spieler  die Mannschaft  verstärken.  Es  wurden  einige  vorstellig,  die  aber  nicht  nur  wegen  des  schönen  Rasens Interesse  zeigten.  Wie  man  später  erfahren  konnte,  zeigten  die  „Neuen"  nicht  nur  Interesse, sondern  auch  ihre  hohle  Hand.  Den  zu  dieser  Zeit  ahnungslosen  „Alten",  die  sämtlich  nicht  auf Rosen  gebettet  waren,  vermittelte  man  mittels  eines  wohlwollenden  Schulterklopfens  die Anerkennung. Die etablierten Kicker hatten immerhin die Freiheit, aus ihrer flachen Hand eine Faust zu formen, um diese als Siegeszeichen hochzustrecken.
Am  Ende  der  Saison  mußte  die  Faust  jedoch  an  der  Hosennaht  verweilen,  denn  es  hatte wieder nicht geklappt. Auch diesmal hatte ein anderer Klub das Rennen gemacht. Der FSC war nur im Spitzenfeld notiert. Mit dem Abschluß kam es zu einer teilweisen Auflösung der 1. Mannschaft. Werner  Siebke  (104  Spiele  für  Frohnau),  Kalli  Bölck  (87),  Gerhard  Menge  (35)  und  der  nur  eine Gastrolle gebende Michelbach wechselten zu Wacker 04, wo sie als Vertragsspieler verpflichtet wurden.
Von der Mannschaft blieb nur noch ein Torso übrig. So  war  auch  die  einst  so  schöne  Rasenfläche  anzusehen.  Schulklassen,  Leichtathleten  und andere Maulwürfe verunstalteten die ohnehin nicht sehr gepflegte Anlage. Der Spaß soll 600.000 DM gekostet haben. Ein hoher Einsatz für ein Jahr Schönheit!
Der Anfang vom Ende? Es sah danach aus - hinunter bis in die unterste Klasse ging es in den folgenden Jahren, doch der „Nachwuchs" brachte das Frohnauer Schiff wieder auf Erfolgskurs. (WB)
 

1956 - 1966

Die goldenen Fünfziger, die silbernen Sechziger und die magische Zahl 10!
Zunächst  sei  mir  noch  einmal  ein  kurzer  Rückblick  in  die  vergangenen  10  Jahre  (da  ist  die Zauberzahl  zum  1.  Mal)  gestattet.  Als  im  Jahre  1946  der  FSC  von  5  Idealisten  gegründet  wurde, glaubte  wohl  niemand  daran,  daß  der  Verein  50  Jahre  später  noch  existieren  und  in  der  höchsten Berliner  Spielklasse  zu  Hause  sein  würde.  Die  Berufe  der  5  Gründer  spiegeln  wieder,  was  in  den ersten  Jahren  nach  dem  Krieg  gefragt  war.  Heinz  Gepke  -  Kaufmann;  er  wußte,  was  man wo besorgen mußte. Willi Künzel - Fleischermeister, er versorgte Spieler und Anhang mit dem, was man brauchte, um nicht zu verhungern. Axel Gerson - Händler; er verteilte, was der Kaufmann ausspioniert hatte.  Bruno  Schröder  -  Schlosser;  die  Menschen  schufen  sich  langsam  neue  Besitztümer,  die  sie verschließen  mußten.  Schließlich  Paul  Friemel  - Theaterkassenbesitzer; das Theater  innerhalb  eines Vereines konnte ihm nichts anhaben, außerdem sorgte er für kulturelle Abwechslung am Rande des Fußballgeläufs!
Diese  Herren  waren  mitverantwortlich  dafür,  daß  der  FSC  bereits  nach  3  Jahren  in  der zweithöchsten  Spielklasse,  der  Amateurliga,  angelangt  war  und  am  Poloplatz  vor  über  1000 Zuschauern  spielte.  In  der  damaligen  Elf  standen  übrigens  10  Nicht-Frohnauer,  mit  Walter  Büttner lediglich ein letzter Randberliner. In der Saison 1952/53 begann der kontinuierliche Abstieg, womit ich zu der Epoche der sportlichen Trostlosigkeit auf der einen - und des Wachsens des Frohnauer „Wir Gefühls" auf der anderen Seite komme.
10  Jahre  nach  Vereinsgründung  (wieder  diese  doofe  Zahl)  war  man  in  der  untersten Spielklasse  angelangt.  Der  Neubeginn  sollte  einsetzen.  Sechs  Junioren  bekamen  vorzeitig  ihre Feuertaufe  in  der  1.  Männermannschaft.  Dort  spielten  fortan  10  Frohnauer  und  1  Reinickendorfer,  die darauf erpicht waren, bald wieder ein Stockwerk höher aus dem Fenster zu schauen. Aber  das  ging  langsamer  als  erhofft.  1957  wurde  der  7.,  1958  der  8.  und  1959  der  3. Tabellenplatz erkämpft. 1960 war  es  endlich  soweit,  man  war  1.,  aber  oh  Graus,  der  zweite  Stern Marienfelde punktgleich. Die Konsequenz: zwei Relegationsspiele mußten die Entscheidung bringen. Im Auswärtsspiel  wurde  noch  ein  2:2  erkämpft,  doch  das  Rückspiel  stand  unter  einem  miserablen Vorzeichen: zwei Stammspieler verletzt und Torwart Kraft erschien nicht. Dieser meldete sich 10 Jahre später  per  Postkarte.  Er  hatte  die  französische  Fremdenlegion  einem  Aufstieg  vorgezogen. Ersatztorwart  „Igel"  Freyberg  zeigte  sich  beim  entscheidenen  Gegentor  nicht  gewillt  in  eine  im Strafraum befindliche Pfütze einzutauchen. Aufstieg ade.
Ein Jahr später schaffen dann aber 9 Frohnauer und 2 Reinickendorfer den ersehnten Aufstieg (warum eigentlich 9? - weil einer, nämlich der Verfasser dieses Artikels, verletzt war). Sportlich und wirtschaftlich ging es weiter voran. Ein Trainer, in den goldenen Fünfzigern mit 25 DM  entlohnt,  verdiente  in  den  silbernen  Sechzigern  plötzlich  80  DM  pro  Monat  beim  FSC.  Die Schiedsrichter bekamen 2,50 DM Fahrgeld, Zuschauereinnahmen lagen pro Spiel bei 15 - 50 DM, ein Mannschaftsessen im Vereinsheim kostete 36,10 DM und der FSC wollte weiter nach oben.
Doch  nach  oben  ging  am  13.08.61  die  Mauer!  Die  Folgen  für  den  FSC  waren  ebenso verheerend  wie  für  den  Rest  der  Nation.  Familien  und  auch  Vereine  wurden  auseinandergerissen. Zahlreiche Spieler und Mitglieder mußten ihrem Lieblingsverein fernbleiben. Mit einer Ausnahme: Klaus „Karlchen"  Klaedtke!  Die  Mannschaft  war  sich  sicher,  daß  „Karlchen"  an  diesem  13.  August erstmals  seine  Truppe  versetzen  würde.  Er  wohnte  nämlich  in  Hohen  Neuendorf  und  das  gehörte fortan  zur  DDR.  Aber  denkste:  10  Minuten  vor  Spielbeginn  stand  er  auf  der  Matte.  Er  hatte  bei seiner  Freundin  und  späteren  Ehefrau  in  West-Berlin  übernachtet  und  das  war  vorher  noch  nie geschehen.
Die  Jahre  1962  -  64  vergingen  wie  im  Fluge,  aber  immer  noch  in  der  2.  Klasse.  Im  Juni  des folgenden Jahres sollte jedoch der große Wurf gelingen. Erneut hieß es Relegation, diesmal gegen den BFC Südring . Das Heimspiel endete am 02.06.65 mit einem 1:0 Sieg. In bewährter Frohnau Manier war  zwischen  dem  04  -  07.06  eine  „Erholungsreise"  nach  Unna  angesetzt,  die  trotz  der Aufstiegsspiele  einfach  „notwendig"  war.  Die  mannhaften  Westfalen  verhalfen  uns  durch  ihre Trinkfreudigkeit  zu  einer  übermäßigen  Kondition  und  ungeahntem  Selbstvertrauen.  Böse  Zungen behaupteten,  daß  zwei  Tage  später  beim  2.  Spiel  in  Kreuzberg,  die  Mehrzahl  der  10!  Frohnauer Spieler unter Langzeitalkoholeinfluß standen und mühelos  ein 1:1 erstritten. Der Aufstieg in die 1.Klasse als reine „Formsache". 10 Frohnauer Eigengewächse und (ein Reinickendorfer) waren dank der Fürsorge der damaligen Jugendleiter Karl Netzband und„ Schorsch" Hubrich für ein Jahr mit der 1. Männer im 7. Fußballhimmel.
Ein Fußballkenner definiert den Aufstieg folgendermaßen: Angestrebtes Ziel aller Mannschaften. Er geht meist gleitend in den Abstieg über, da beim Aufstiegskampf soviel Energie verloren geht, daß für den Klassenerhalt nichts übrigbleibt. So war es auch bei uns. Wir stiegen im folgenden Jahr wieder ab. Sie wissen, wie viele Frohnauer 2 x 10 Jahre nach der Vereinsgründung daran beteiligt waren ...? Der Verfasser dieser Zeilen hat übrigens 10 Wochen benötigt, um diesen Artikel fertigzustellen, hat ihn 10mal umgetextet (:-) wir auch, die Red.) und hofft, daß er wenigstens von 10 Leuten gelesen wird.
(DL)   


1966 - 1976

Die Wilden Sechziger
Mittlerweile  20  Jahre  gab  es  nun  Fußball  in  Frohnau.  Selbst  die  größten  Optimisten  hätten  das anfangs nicht gedacht, vor allem nach dem rapiden Abstieg, ja man könnte sagen Niedergang, Mitte der fünfziger Jahre. Der FSC hatte sich wieder gefangen, das Schlimmste schien überstanden.
Somit  konnte  man  voller  Vorfreude  und  ohne  schlechtes  Gewissen  die  Feierlichkeiten  zum  20. Geburtstag  im  Schloß  Hubertus  angehen.  Zu  den  Jubiläumsgästen  zählten  erstmals  die  Kicker  aus Adelsdorf  bei  Erlangen,  mit  denen  sich  von  diesem  Tage  an  eine  langjährige,  20  Jahre  weiter andauernde  Freundschaft  entwickelte.  Beim  Jubiläumsball  ging  es  in  alter  Tradition  eher  feucht fröhlich zur Sache. Der damalige 1. Vorsitzende Heinz Nauendorf stand dabei in vorderster Front. In den frühen  Morgenstunden  platzte  ihm  dann  beim  überschwenglichen  Tanze  die  Hose.  Erstmals  wurde  die Freundschaft  zum  SC  Adelsdorf  auf  den  Prüfstein  gestellt.  Glücklicherweise  war  dessen  1.  Vorsitzender Ludwig  Zänger  gelernter  Schneidermeister.  Das  Dilemma  konnte  mit  ein  paar  flinken  Stichen behoben werden. Heinz Nauendorf ließ sich dafür nicht lumpen, stand währenddessen lediglich mit einer Unterhose bekleidet an der Schloßbar und gab eine Lokalrunde.
Wie der geehrte Leser bereits bemerkt, stand der Fußball in jenen Jahren erst an zweiter Stelle, Schlaghosen und Stehkragen bestimmten die Szenerie. 1968 lag die 1. Herren z.B. nach 8 Spieltagen an letzter Position und konnte in der Folgezeit den Abstieg soeben noch verhindern.
Freundschaften  dagegen  wurden  in  jener  Zeit  voller  Leidenschaft  gepflegt.  Sicherlich  auch  der Hauptgrund,  aus  dem  im  gleichen  Jahr,  in  der  heißen  Zeit  der  Studentenunruhen  und Konfrontationen  mit  den  Staatsorganen,  die  „gesetzteren"  Spieler  oder  „Oldies"  des  FSC  die  erste Seniorenmannschaft  gründeten.  Somit  war  die  fußballerische-  und damit  verbunden  aktive  Zukunft der  über  32  jährigen  im  Verein  gesichert.  Es  durfte  weiterhin  der  Sonntag  beim  Biere  auf  dem Poloplatz  verbracht  werden,  ohne  daß  jemand  ein  schlechtes  Gewissen  haben  brauchte.  Zu  den pfiffigen  Initiatoren,  dieser  heute  fest  im  Verein  verankerten  Institution,  gehörten  u.a.  Bomme Blumenthal, Heinz Nauendorf, Ete Radomski, Peter Berger, Günther Mohr und viele mehr.
1970 kam der Verfasser dieser Zeilen direkt aus Südafrika nach Berlin und trat dem Verein bei, hielt  ihm  fortan  die  uneingeschränkte  Treue.  Seit  dieser  Zeit  weilten  auch  viele  Jugend- und Männermannschaften in seiner ursprünglichen Heimat und bei dessen Club Sparta Nordhorn. Sportlich blieb alles beim alten. Der FSC dümpelte in der B-Klasse herum, was keinen so recht störte.  Ein  Trainer  wurde  damals  per  Handschlag  verpflichtet,  Punktprämien  und  Ablösegeld  waren  ein Fremdwort,  sogar  eher  verpönt.  Sponsorenzuwendungen  gingen  in  die  Reisekasse.  Was  einzig  zählte waren Einsatz und Eifer.
Die Legende des Vereins Paule Gruhlke, brachte es auf den Punkt: „Ohne Eifer gibt es keinen guten Fußbadderl`, was der damalige Jugendtrainer, die späteren Säulen der 1. Männer Klemens und Günther Mastmann beim stundenlangen Einzeltraining (Dropkickschießen) spüren ließ.

In der Saison 72/73 kam dann doch Unruhe in den Club. In den Annalen spricht man von den 7 Rebellen.  Diese  7  Spieler  setzten  dem  damaligen  Vorstand  die  Pistole  auf  die  Brust.  Man  wollte Trainer Wilke, heute 1. Vorsitzender von Rapide Wedding, abschießen. Doch der FSC Chef Nauendorf ließ sich nicht erpressen, sondern hielt dem Coach die uneingeschränkte Treue. Eine Tatsache, die ja heute im Trainergeschäft weiß Gott keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Die Rebellen wechselten zu Bavaria,
der Rest der Truppe rückte jedoch enger zusammen und zeigte es der Gegnerschaft. Spätestens  zu  diesem  Zeitpunkt  wurde  das  Zauberwort  der  unerschütterlichen  Frohnauer Kameradschaft  geboren.  Man  erreichte  als  Dritter  der  Tabelle  noch  die  Relegationsspiele  zum Aufstieg  in  die  A-Klasse.  Zwar  mußte  man  sich  dort  Wacker  Lankwitz  geschlagen  geben,  doch begünstigt durch den Rückzug von Tasmania 73, spielten die Perschk und Co. fortan eine Liga höher.
Es wurde langsam aber sicher wieder ruhiger auf dem heimischen Geläuf, die wilden Sechziger waren  überstanden,  die  Siebziger  verzeichneten  die  ersten  kleinen  Erfolge.  Vor  allem  in  der Jugendabteilung  tat  sich  endlich  wieder  etwas,  das  so  notwendige  Gerüst  für  die  1.  Mannschaft  war aufgestellt.
Der Grundstein für sportlich rosigere Zeiten am Platze, wo die Pappeln stehen, war also gelegt. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis ein neues Frohnauer „Dream Team" nach den Sternen griff und an die weit zurückliegenden Erfolge Anfang der Fünfziger Jahre anknüpfte. Mein Nachfolger wird Ihnen sicherlich von Ihren Heldentaten berichten... (BB)

 

1976 - 1986

Frohnauer Fußball Stadion
Stadion,  aus dem griechischen, bedeutet  soviel  wie Entwicklungsphase (-stufe).  Dieser Ausdruck ist vor allem bei Ärzten und Fußballern sehr beliebt. So sprechen die Weißkittel vom jeweiligen Stadion (Stadium),  in  welchem  sich  eine  Krankheit  gerade  befindet;  vom  Früh-  bis  hin  zum Genesungsstadion  (-stadium).  Letzteres  ist  natürlich  erfreulicher.  Fußballer  und  vor  allem  FSC-er hängen  dagegen  an  ihrem  Stadion  und  lassen  keine  Gelegenheit  aus,  dieses  allwöchentlich aufzusuchen. Das ist ausschließlich erfreulich. Für manche ist es Hobby, für andere Lebensinhalt. Ein Verein entwickelt sich in jeder Phase, ob negativ oder positiv; doch der Poloplatz, unser Stadion, bleibt das gleiche. Da stehen die Kastanien und Pappeln, ob Sommer, ob Winter und umzäunen das mehr oder weniger satte Grün, das an beiden Enden von zwei immer gleich großen Toren begrenzt ist.
Doch die schwarzweiße Elf, die auf diesem Geläuf Jahr für Jahr rumdoktert ist eine andere. Womit wir wieder  bei  der  Entwicklung  wären  und  die  sah  anno  1976  wie  eine  der  beiden Vereinsfarben aus - pechrabenschwarz. Gerade war man zum wiederholten Male aus der Kreisliga-A abgestiegen und fand sich in der zweituntersten  Niederung  des  Berliner  Fußballs  wieder.  Was  tun  war  die  Frage?  Die  Lösung  oder besser  Entwicklungshilfe  sollte  vorzeitig  aus  der  eigenen  A-Jugend  in  Person  von  Klemens  und Günther Mastmann erfolgen. Siebzehn Jahre jung, unter der liebevollen Einweisung von Routinier Jürgen  Freyberg  trat  der  Erfolg  dann  auch  umgehend  wieder  ein.  Mit  jugendlichem  „Leichtsinn" zurück  in  alte  Gefilde  konnte  man  also  getrost  sagen!  Das  erste  Liebeslied  für  die  Mastmänner wurde  geschrieben  -  man  war  wieder  wer!  Das  Zepter  zu  diesem  Zeitpunkt  schwang  übrigens Fußballehrer Klaus-Dieter Kluth, der sich mit dem Erreichten, wie sich in der Folgezeit zeigen sollte, allerdings keinesfalls zufrieden gab.
Erst  einmal  verharrte  man  in  der  wieder  angelangten  Umgebung  und  verschnaufte.  Zugegeben nicht gerade sehr kurz, aber man kennt ja schließlich die Problematik, die Frohnauer Kicker mit einer unbekannten  Komponente  haben  können  und  die  hieß  zu  diesem  Zeitpunkt  Landesliga.  Somit stürzte  man  sich  auf  den  Nordpokal.  Den  kannte  man,  wollte  man  und  bekam  ihn!  Am  15.06.79 verewigte  man  sich  in  den  Siegerannalen.  Mit  einem  2:1  wurde  Minerva  geradezu  eindeutig  in die  Schranken  gewiesen.  Es  durfte  mal  wieder  gefeiert  werden,  eine  Tatsache  übrigens,  die historisch zwar nicht eindeutig zu belegen, aber der Sage nach in diesen Jahren das Hauptaugenmerk in Fußball Frohnau gewesen ist. Doch wer viel feiert, der muß auch ruhen und somit überließ die 1. Männer zwischenzeitlich dem Nachwuchs weitere Ruhmestaten. Im gleichen Jahr erreichte nämlich zum ersten Male in der Vereinsgeschichte mit der 1. E eine Jugendmannschaft das Endspiel um die Berliner Meisterschaft. Erst im Wiederholungsspiel mußten sich die 6-8 jährigen am Kölner Damm mit 0:1 dem BFC Preußen geschlagen geben. Außerdem stieg die 1. D in die höchste Spielklasse auf.
Vollkommen fasziniert von derlei Erfolg, wollten sich die Mastmann & Co. nicht lumpen lassen und den großen Schritt zur Himmelspforte - der Landesliga - wagen. Man  schrieb  den  03.08.81,  ein  Donnerstag,  als  573  zahlende  Zuschauer,  rechnet  man  die
zäune-  und  mauernüberkletternen  Gestalten  ein  knapp  1000  Schaulustige,  zum  Jubelgesang anstimmten.  Am  vorletzten  Spieltag  war  der  Lichtenradener BC  zu  Gast,  ein  Remis  war  die Fahrkarte  in  höhere  Sphären.  Das  besorgte  nach  79  Spielminuten  und  0:1  Rückstand  in unnachahmlicher,  Manier  der  Goalgetter,  vom  Dienst  Klaus  Wiechert.  Die  Folge:  nämlich ausgiebiges  Feiern,  wurde  bereits  angesprochen.  Kaum  verwunderlich,  daß  in  der  folgenden Saison  die  Früchte  zu  hoch  hingen  und  sehr  schnell  wieder  A-Klassen  Fußball  auf  dem  Polo zelebriert  wurde.  Auch  wenn  ein  fader  Beigeschmack  mit  Namen  SC  Tegel  in  der  Landesliga zurückblieb. Die hatten sich dank des besseren Torverhältnisses oder um genauer zu sein, mit Hilfe eines wohl erkauften Sieges am letzten Spieltag gerettet.
Fortan  wurde  es  im  Stadion  ruhiger,  die  A-Klasse  zum  besten  Freund.  Wiederum  die  Jugend schwang  sich  zur  Ehrenrettung  auf.  Erneut  stand  ein  1.  E  Jugend  Team  im  Berliner  Finale. Ebenfalls  im  Wiederholungsspiel  mußte  sich  man  diesmal  der  kleinen  Hertha  mit  0:3  geschlagen geben. Würde jemals eine Frohnauer Truppe den höchsten Olymp besteigen?
Die 1. Männer verlegte derweil ihre Fertigkeiten auf das Hallenparkett. Viermal hintereinander wurde das A-Klassen Turnier gewonnen. Böse Zungen behaupteten, daß die Luft bei einigen älteren Spielern halt nur noch für das kleinere Hallenspektakel reichte. Um dieses Gerücht endgültig aus der Welt zu räumen, wurde für die Saison 84/85 mit Noppa Toth ein ehemaliger Spieler als Trainer verpflichtet.  Pessimisten  -  auch  innerhalb  der  Mannschaft  -  kreierten  darauf  den  heute  noch stadtbekannten Evergreen: „Noppa, das schaffst Du nicht!" Die  Leiden  des  FSC  wollten  jedoch  auch  in  der  Folgezeit  kein  Ende  nehmen.  Nicht  nur sportlich gab es immer wieder Rückschläge auf dem Weg zurück in die Landesliga, vor allem der viel zu  frühe Tod von  Jürgen  Freyberg im  August  84  erschütterte  den gesamten  Verein. Als  Spieler, Trainer, Jugendleiter und 1. Vorsitzender war Igel für viele der zweite Vater oder nicht vorhandene Bruder und investierte soviel Zeit wie kaum ein anderer in diesen seinen Verein. Auch er ist und bleibt ein Teil dieses, unseres Stadions, das bleibt wie es ist und sich doch entwickelt.
(HS)

 

1986-1996

FSC, wenn ich Dich spielen seh'
Wenn der Frohnauer SC eine Tugend verkörpert, dann ist es der bedingungslose Kampf auf Biegen und Brechen.  Fast  jede  Woche  bietet  sich  dem  Betrachter  das  gleiche  Schauspiel.  Mit  großer Einsatzbereitschaft und dem Mute der Verzweiflung wird des Gegners Tor belagert, Chance um Chance herausgearbeitet.  Leider  ist  nicht  in  dieser  Tugend  beinhaltet,  daß  auch  Tore  fallen.  Diese  nicht unerhebliche Tatsache hat mit dafür gesorgt, daß der FSC bis weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, ja gar berühmt geworden ist. Denn diese besondere Gabe haben die Schwarz-Weißen in den vergangenen 50 Jahren, mit wenigen unbedeutenden Ausnahmen, zur Perfektion getrieben. Die logische Konsequenz: In diesem  halben  Jahrhundert  wurde  so  ziemlich  jedes  wichtige  bzw.  entscheidende  Spiel  verloren  oder besser  gesagt  nicht  gewonnen.  Egal  ob  nun  Meisterschafts-,  Pokal- oder  Relegationsspiel.  Reine Übertreibung möchten einige jetzt vielleicht entrüstet einwerfen, doch ich habe die Fakten. Dem eigenen Anhang wurde dabei schon so einiges zugemutet. Kostproben gefällig?
Wir schreiben das Jahr 1986, meine Wenigkeit, gerade 15 Lenze alt und als hoffnungsloser Fall im Tor  der  1.  B  beheimatet,  hatte  auf  m  Sonntag  mal  wieder  nichts  besseres  zu  tun,  als  sich das  trostlose Gekicke der 1. Männer in der A-Klasse reinzuziehen. Vielleicht bedingt durch jugendliche Unwissenheit bekam ich erst kurz nach dem Anpfiff mit, daß ein ganz besonderes Match an diesem Tage über die Bühne gehen  sollte.  Das  Relegationsrückspiel  um  den  Aufstieg  in  die  Landesliga  gegen  den  SC  Staaken!  Das Hinspiel hatte die Mastmann & CoKG (natürlich) mit 0:1 verloren. Ich kann mich wirklich nur noch sehr dunkel an alles erinnern. Ich weiß lediglich, daß Andreas Röhr (er war es for sure!) den Siegtreffer auf dem Fuße hatte und das Staaken anschließend den Aufstieg auf dem Polo zelebrieren durfte.
Ein Jahr später das gleiche in grün. Jubeln durfte nur diesmal Preußen Wilmersdorf (weil Staaken ja bereits in der Landesliga bolzte) und der Unglücksschütze hieß, glaube ich Johnny - der Weltenbummler - Balzke oder doch Röhr? Zu allem Überfluß verpaßte Hertha BSC den Aufstieg in die zweite Liga und das letzte Hintertürchen zum Happy End war damit endgültig zugeschlagen. Anyway, wie die Briten so schön sagen,  da  mein  Knöchel  gerade  einen  Trümmerbruch  sein  Eigen  nannte,  hatte  ich  eh  die  Hoffnung aufgegeben,  jemals  mit  Frohnau  in  der  LL  Erfolge  zu  feiern.  Schuld  an  dem  ganzen  Schlamassel (exklusive  Verletzung)  war  natürlich  der  Trainer.  Tod  oder  so  ähnlich  war  sein  Name  (ein  ganz  linker Hund!).  Trotz  aller  Proteste  wurde  sein  Vertrag  dennoch  um  ein  weiteres  Jahr  verlängert.  Die darauffolgende Saison war dann an Kuriositäten nicht mehr zu überbieten. Kutte Mandelkow schoß ein Tor! (Röhre glaube ich auch) und am Ende geschah das Unfaßbare: Richy Meißner sah rot!
Quatsch,  Frohnau  war  tatsächlich  aufgestiegen!!!  Einen  großen  Anteil  daran  hatte  der Meistertrainer Norbert Toth (wirklich ein Pfundskerl), der zu aller Freude ein weiteres Jahr die Geschicke der Mannschaft übernahm. Endlich schnupperte man in Frohnau wieder Landesligaluft. Da in diesem grünen Stadtteil jedoch das Wort Fahrstuhlmannschaft seinen Ursprung hat, gab es keinen Grund in dieser ansehnlichen Klasse zu verweilen. Zu aller Verwunderung und ganz entgegen alter Traditionen wurde man  jedoch  nicht  wieder  hinuntergereicht,  sondern  erklomm  im  Sauseschritt  gleich  die  nächste Empore.  Man  konnte  gar  nicht  aufhören  sich  die  Augen  zu  reiben.  Doch  es  war  keine Halluzination. Der FSC schoß Tore und stand auf Tabellenplatz Nummero zwo!!! Man muß es sich auf  der  Zunge  zergehen  lassen.  Der  nördlichste  Stadtteil  Berlins,  den  so  mancher  gerade  einmal vom Hörensagen kennt, mischt im Konzert der Großen mit. Das Zauberwort hieß OBERLIGA, die höchste  Amateurspielklasse  in  Deutschland,  das  Paradies,  der  Garten  Eden,  einfach das Unfaßbare, sprich der ultimative Kick! Aber genug damit.
Etwas  nüchterner  betrachtet,  ging  es  Hand  in  Hand  mit  dem  VFB  Lichterfelde  ein Stockwerk höher. Dorthin wo die Reinickendorfer Füchse, die kleine Hertha und TeBe schon lange waren.  Trainer  Toth  wurde  derweil  in  den  Frohnauer  Adelsstand  erhoben  und  für  das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen, während sich die Mastmann, Malmström, Kleibohm und Röhr von so manch durchzechter Nacht erholten. Meine Dicklichkeit, noch in der A-Jugend zu Hause, stand als vierter Torwart hinter den arrivierten Kollegen Otte, Hinas und Bischoff in der ultimativen Warteschleife  vielleicht  im  Jahre  2000  sein  Debüt  in  der  1.  Männer  zu  geben.  Und  so  konnte  das Abenteuer Oberliga beginnen.
Nach  drei  Spielen  mit  15  Gegentoren  war  man  endlich  wieder  auf  dem  Boden  der  Tatsachen angelangt  (war  auch  höchste  Zeit).  Starkeeper  Otte  war  genauso  schnell  verschwunden  wie  er aufgetaucht  war,  mein  steiler  Karrieresprung  katapultierte  mich  auf  die  Position  Nummer  3.  Die Saison  plätscherte  wie  ein  Gebirgsbächlein  so  dahin,  zu  keinem  Zeitpunkt  wurde  ein  Abstiegsplatz verlassen.  Etwas  Abwechslung  in  den  tristen  Abstiegskampf,  brachte  die  A-Jugend  mit  dem Erreichen des Pokalendspiels im Katzbachstadion. Zwar wurde gegen Siemensstadt unglücklich 3:4 verloren  (siehe  Niederlagen  in  entscheidenden  Spielen),  doch  war  endlich  wieder  ein  Grund gefunden, die fast ausgetrockneten Kehlen zu ölen.
Der  Frohnauer  Angriffstornado  ging  derweil  auf  Abschiedstournee  durch  Berlins  Oberliga Stadien,  nicht  ohne  durch  einen  deutlichen  1:0  Sieg  bei  der  kleinen  Hertha,  nebenbei  die  Berliner Meisterschaft zu entscheiden. Am Fuchsbau ließ man sich dafür nicht lumpen und übermittelte eine „kleine"  Hopfenspende.  Doch  selbst  dieser  Highlight  vermochte  nicht,  den  finalen  Absturz  zu verhindern. Wenigstens kann ich behaupten, diesen durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Hini und  Pete  tatkräftig  unterstützt  zu  haben.  Die  größte  Schuld  hatte  jedoch  eindeutig  der  Trainer. Ganz  zu  recht  wurde  Noppa  (der  Abstiegstrainer!)  endlich  davongejagt  und  in  der  Folgezeit wurden erneut kleinere Brötchen gebacken.
Ein Liebeslied der Landesliga. Alle waren hocherfreut wieder die alten Bekannten zu treffen, vor  leeren  Rängen  zu  kicken  und  trotzdem  genauso  oft  zu  trainieren.  Somit  erholte  man  sich trefflichst von den ganzen Auf- und Abstiegsstrapazen und hängte vor lauter Freude, gleich noch ein Jahr dran. Die Zeit verging wie im Fluge! Dummerweise hatte aber plötzlich der BFV so etwas wie einen Geistesblitz und beschloß zwischen Ober- und Landesliga noch eine Klasse zu etablieren. Dem findigen Betrachter inzwischen auch als Verbandsliga bekannt. Da  ich  zu  jener  Zeit  für  8  Monate  im  Land  der  Dudelsackpfeifer  weilte,  bekam  ich  zunächst nichts  mit  von  dieser  Ungeheuerlichkeit.  Dafür  wurde  Michael  Kubanke  in  die  Frohnauer Torwartgilde  aufgenommen.  Im  Zusammenspiel  mit  Hini  traf  die  beiden  eine  gewisse  Mitschuld daran, daß plötzlich alle Stammtischgespräche in Richtung einer erneuten Aufstiegsfeier tendierten. Eine Tatsache, die dem Frohnauer Fan eindeutig behagte, denn im Gegensatz zu den Spielern, zeichnet sich der Frohnauer Fan dadurch aus, mit unvorhergesehenen Geschehnissen schneller fertig zu werden. Alles was man eigentlich „nur" brauchte war ein 6. Platz. Rechtzeitig zum großen Finale im Fernduell mit Rapide Wedding, war ich wieder in der Heimat und durfte am letzten Spieltag aktiv  an  der  wohl  spannendsten  2.  Halbzeit  seit  dem  WM  Finale  1954  teilnehmen.  Gegner  war  der bereits qualifizierte SC Staaken, die ja schon immer etwas schneller auf Zack waren und gegen die man  nach  45  Minuten  (selbstredend)  mit  0:1  zurücklag.  Benötigt  wurde  jedoch  ein  Sieg  mit mindestens zwei Toren Unterschied, bei gleichzeitigem Punktverlust von Rapide, die zur selben Zeit beim feststehenden Meister 1. FC Lübars antreten mußten. Alles klar?
Was auf dem Polo jedenfalls im zweiten Durchgang geschah, ist nicht in Worte zu fassen: Frohnau stürmte, Frohnau rannte, Frohnau kämpfte..., Frohnau gewann! Wenige Hundertstel Sekunden vor Ultimo sorgte Kommissar Sascha Kleibohm für den 3:1 Siegtreffer in diesem Krimi. Was blieb waren Hoffen und Beten.  In  der  Schluchseestraße  hatte  ein  Getreuer  die  Aufgabe,  mittels handy, den so notwendigen Punktverlust der Toth Schützlinge zu übermitteln. Daß es dazu tatsächlich dann auch kam, verdanken wir -  auch  heute  noch  -  unserem  langjährigen  Vereinsmitglied  und  jetzigem  Co-Trainer  Andreas  Röhr. Dieser  hatte  nämlich  kurz  vor  Schluß  den  großen  winner  zum  Aufstieg  auf  dem  Kopf. Unglücklicherweise traf er den Torwart, es blieb beim 2:2!
An  dieser Stelle  möchte  ich  jahrelange  hartnäckige  Gerüchte,  die  in  beiden  Vereinen  seit  diesem Tage kursieren, endgültig zerstreuen. Fakt ist: Ja, Röhre wurde bestochen! Eine Flasche „Jim Beam" war  sein  Preis.  Schließlich war  eh klar, daß Rapide die notwendigen Relegationstreffen  gegen  den Weddinger  FC  ruhmreich  bestreiten  würde.  Was  auf  FSC  Seite  bekanntermaßen  einiges Kopfzerbrechen  bereitet  hätte.  Somit  waren  am  Ende  beide  in  der  neugeschaffenen  Verbandsliga angelangt.  Aus  diesem  Grunde  sollte  man  endlich  aufhören,  Röhre  Vorwürfe  zu  machen.  Er  ist  doch ansonsten ein netter Kerl.
Sein Nachfolger im Frohnauer Sturm war im übrigen „Louis" Bourblanc, ein franz. Offizierssohn, der es fertig brachte, nicht nur gelegentlich ein Tor zu schießen, sondern dabei noch seine Gegenspieler unflätigst in seiner Heimatsprache zu beschimpfen. Da diese Sprache in hiesigen Gefilden kaum verstanden wird, galt er auf dem Spielfeld als ein äußerst beliebter Zeitgenosse. In Frohnau störte das verständlicherweise keinen so recht. Man war ausschließlich damit beschäftigt sich in der neuen Umgebung zu akklimatisieren. Der im zweiten Jahr auf der Trainerbank weilende Andre Landt (aus dem gleichnamigen Film: ein Fisch namens...) setzte dabei wieder auf eine ganz andere Tugend. Seine persönliche Größe bestand wohl darin, als erster Coach erkannt zu haben, daß Frohnauer Stürmer eine innere unüberwindbare Blockade haben, die sie nicht so einfach überspringen können. Alles rein mental gesehen.  Das  Wort  „debakulös"  in  puncto  Chancenverwertung,  gab  es  fortan  nicht  mehr  im Sprachgebrauch,  sondern  vielmehr  nur  noch  unglückliche  Begleitumstände.  Sturmführer  Malmström durfte  weiterhin  nach  Herzenslust  den  gegnerischen  Torwart  anschießen.  Einziger  Kommentar  von Trainer und Mitspielern: „Malmi, Hut auf f vor Deinem kämpferischen Einsatz. " Fakt  war:  Die  Abwehr  hatte  es  zu  richten.  Doch  bei  so  viel  Kollegialität  ist  es  gar  nicht  so verwunderlich, wie es zunächst den Anschein hat, daß Frohnau am Ende mal wieder ganz oben stand! Daß am Ende das bessere Torverhältnis gegenüber dem 1. FC Wilmersdorf den Ausschlag zur Berliner Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die NOFV Oberliga gab, fällt allerdings selbst heute noch den Fußballexperten schwer zu erklären.
Viele  überschwengliche  Floskeln  wurden  bereits  in  diesem  Meisterwerk  verwendet.  Eine weitere Steigerung zu finden, um diesen glorreichen Erfolg zu beschreiben, fällt nicht leicht. Sagen wir, die Oberliga kam zum FSC wie die Jungfrau Maria zu Ihrem Kinde. Rational nicht erklärbar!
Vieles hatte man in den knapp 50 Jahren seit der FSC an die Vertragsligapforte angeklopft hatte erlebt,  aber daß  man  nun  bei  einem  weiteren  Durchmarsch  direkt in die  2. Bundesliga aufsteigen konnte, das gab es noch nie. Viele  neue  Spieler  kamen,  um  dieses  ehrgeizige  Ziel  zu  realisieren.  Einige  gingen  genauso schnell  wieder,  doch  manche  hielt  es  bis  heute  am  Poloplatz.  Zu  der  Oberligasaison  bleibt  zu sagen,  daß  man  sich  ganz  gut  aus  der  Affäre  zog,  lange  am  Aufstiegskampf  (wenn  auch  indirekt) beteiligt  war  und  einige  aufhorchende  Ergebnisse  landete.  So  verlor  man  nur  unglücklich  in Cottbus, Dessau und Zehlendorf (jeweils 0:5) und gab sich nach tollem Kampf nur mit 0:6 dem 1. FC  Union  geschlagen.  Fassungslos  mußte  am  Ende  gar  der  Abstieg,  im  Tennis  rebreak  genannt, hingenommen werden. Trotzdem wars schön! Auch wenn Daffi und Ganne Mastmann fortan nicht mehr „El Easy und Dreckspatz" wie zu aktiven Zeiten waren, sondern als Vorsitzender und Trainer zu Respektspersonen  mutierten.  Sie  ließen  die  junge  Spielerschar  einfach  allein  ins  Verderben rennen. Äußerst clever.
Meine  Wenigkeit  zog  es  vor  am  Zenit  des  Erfolges  (meine  persönliche  Bilanz  lag  bei  9 Niederlagen in 9 Einsätzen) über den großen Teich nach Canada zu gehen, um dort die innere Ruhe zu finden. Meine Kollegen wären zwischenzeitlich fast aus der Verbandsliga abgestiegen. Inzwischen ist ein weiteres Jahr vergangen, ich bin zurückgekehrt. Irgendwie kann Canada nicht mit  der  Weite  des  Poloplatzes  mithalten.  Ein  zufriedenstellender  6.  Platz  wurde  erreicht,  im Pokalviertelfinale unglücklich gegen die Hertha Bubis verloren. Aber anyway, wie die Briten sagen, die Hauptsache bleibt doch, gerade für unsere tollen „hooligans":
FSC, wenn ich Dich spielen seh'! (IL)